Auf den Spuren des Pentaeder


Werkstattbericht

Literaturtipps – Führen und Entscheiden in Netzwerken

Ein besonders interessanter Aspekt des Themas, und einer, da braucht man kein Hellseher zu sein, der Führungskräften und Beratern sehr wahrscheinlich noch eine Reihe von neuen Sichtweisen, mentalen Modellen und neuen Fertigkeiten in ihrer Praxis abverlangen wird. Wir nehmen an, dass Teams und Netzwerke – in ihrer Funktion als Brücken oder Bindeglieder zwischen dem Entscheiden von Personen und dem Entscheiden des Organisationssystems – eine weiter zunehmende erfolgskritische Rolle für das nachhaltige Gedeihen von Organisationen spielen werden.

Die Literatur zu “Netzwerken” überbordet zwar, aber nur ein kleiner Teil davon fokussiert in hoher Qualität auf Entscheiden und Führen in Netzwerken. Hier 4 Tipps, in denen Sie, da sind wir zuversichtlich, einiges Zukunftsweisendes finden werden.

Brigitte Winkler: Shared Leadership Ansätze nutzen. Wie hierarchische und geteilte Führung zusammenspielen (2012). In der aktuellen ZOE 3.12, Seite 4-6.

  • Ein Artikel, obwohl nur 3 Seiten lang, deshalb hier an erster Stelle genannt, weil er in seiner Qualität und Sorgfalt, Tiefe und Weitblick weit über dem gewohnten Niveau von Fachartikeln liegt. Eine knapp und dicht gefasste Fundgrube und Orientierungshilfe von großem Wert. Ohne Wenn und Aber sehr lesenswert. Gerhard Polt, falls er die ZOE läse, würde garantiert sagen: “Mehr sog’ i net.”

Carson / Tesluk / Marrone: Shared Leadership in Teams (2007). Academy of Management Journal, Vol. 50. No 5, 1217-1234.

  • Winkler erwähnt (natürlich) auch diesen Artikel in ihrer exzellenten Literaturliste. Ich hebe ihn aus 2 Gründen hervor. Die Autoren erinnern uns, dass bereits Gibb 1954 (!) das Konzept des “Distributed Leadership” als wichtige Ergänzung zum für Viele heute noch immer als alternativlos empfundenen hierarchischen, “vertikalen” bzw. “fokussierten” Führen von Teams beschrieben und empfohlen hat. Zweitens empfehlen Carson et al., Führen – und natürlich auch Entscheiden, was meist unter den Tisch fällt – in Teams und Organisationen als streng relationales Phänomen (d.h. als Interaktionen zwischen zwei und mehr und oft sehr vielen Menschen) zu verstehen. Wahrlich eine notwendige und zeitgemäße Ergänzung des antiken hierarchischen Führungsverständnisses. (Ja, es stammt wirklich aus dem alten Griechenland, kein Scherz.) Und eine höchst ökonomische Ergänzung oben drauf: Bernd Opp macht immer wieder darauf aufmerksam, dass Mitarbeiterführung – wie in der Regel – als “Zweierbeziehung, von oben nach unten gerichtet” praktiziert, sehr unökonomisch und unergiebig wirkt, nicht nur unter Zeitaspekten. Also: Wer wenig Zeit hat, wende sich dem “Distributed bzw. Shared Leadership” zu.

Ancona / Bresman: X-Teams. How to Build Teams That Lead, Innovate, and Succeed. Harvard Business School Press. (2007).

  • Dies ist zum einen ein Buch, das ein Teamverständnis propagiert und mit Praxisbeispielen unterfüttert, das heute, besonders für große Organisationen, sehr viel erfolgsrelevanter ist als in früheren Zeiten. Mit in dem Maße steigender Tendenz, wie das am Markt erfolgreiche Produkt in seinem Inneren komplex ist, and nach Aussen einfach und angenehm zu gebrauchen sein muss.
    Zum zweiten arbeiten Ancona und Bresman sehr nützlich den Unterschied zwischen Shared Leadership (in Teams) und Distributed Leadership (als organisationskulturellem Erfolkskonzept) heraus. In Fortsetzung zu Carson etal. machen sie klar, dass es bei “Distributed Leadership” um “Leadership at all levels” (und nicht nur um Teamführung, so wichtig sie ist) geht: “Distributed leadership assumes that the more organizations disperse leadership through their structure, the more effective they are.This does not mean that executive leadership is unimportant; certainly if there is not executive leadership at the top, then the organization will not function well. But effective executive leadership alone isn’t sufficient for organizational success. In our model, leadership must exist on all levels of the firm, and anyone who feels as if he or she can make a contribution is able to take on a leadership role.” (Seite 218)

Sutrich / Opp / Endres: Entscheiden im Wechselspiel zwischen Linie und Netzwerk. (2011) Profile 21.11, Seite 10-23.

Als kleine Abrundung sei der Hinweis erlaubt, dass wir uns auch seit einiger Zeit mit dem Thema beschäftigen, konzeptiv und handwerklich – aus professioneller Überzeugung.

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