Auf den Spuren des Pentaeder


Werkstattbericht

Intuition – ein Kompass zum Entscheiden in unsicherer Zeit

… weil wir nicht wissen, dass wir wissen, was wir wissen!

Kennen Sie das Vorurteil, dass die meisten erfolgreichen Manager beim Entscheiden ausschließlich ihre Ratio einsetzen? Oft suggerieren sie das in Haltung und Sprache. Fragt man an Ort und Stelle nach, gibt es überraschenderweise häufig den Hinweis, dass die Intuition selbstverständlich eine große Rolle beim Entscheiden spielt und dabei sehr hilfreich ist. Ungefragt spricht man natürlich nicht darüber und weiß sie mit Zahlen, Daten und Fakten geschickt zu ummanteln.

Intuition verdient in unserer modernen Unübersichtlichkeit in wirtschaftlichen und organisationalen Kontexten eine steigende Beachtung. Intuitives Vorgehen stellt eine Ergänzung zu rein bewusst-rationalem dar und macht professionelles Handeln effektiver und effizienter.

Was ist Intuition? Die sparsamste Definition: Intuition ist schnelles, unmittelbares Wissen. Daniel Kahnemann, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften und Kognitionswissenschaften charakterisiert das intuitive Denken als “wahrnehmungsähnlich, schnell und mühelos” – im Gegensatz zum logischen Denken, das vergleichsweise meist anstrengend, aufwändig und langsam ist.


Nutzen intuitiven Entscheidens und Handelns im Unternehmenskontext:

  1. Sicherheit im Entscheiden und Handeln in diffusen Entscheidungslagen und unter Zeitdruck. Intuition hilft Komplexität intelligent zu reduzieren, da sie subtile Informationen unbewusst verarbeitet und dann in unmittelbares Urteilen überführt.
  2. Instinkt für erfolgreiche Unternehmungen. Die Investition von Geld, Zeit und Manpower in die “richtigen” Projekte/Unternehmungen ist immer mit Entscheidungen auf Basis unzureichender Informationslagen verbunden. Mit Hilfe der Intuition besteht die Chance nach und nach einen sichereren Geschäftsinstinkt zu entwickeln.
  3. Intuition verhilft dem Neuen in die Welt. Intuition hilft Gespür zu entwickeln für neue Wege, neue Ziele und Visionen. Innovationen benötigen Ahnungen des Möglichen abseits der ausgetretenen Lösungswege, wenn es nicht um Optimierung geht, sondern um Neues, das geltende Grundannahmen und Paradigmen infrage stellt.
  4. “Magische Teamarbeit” durch Dialog. Der Dialog im Sinne Peter Senge’s erweist sich beim Entscheiden als nutzbringend weil er Konfrontation und Diskussion hinanstellt und das Erkunden und Respektieren fremder Perspektiven den Vorrang genießen. In einer Dialogkultur können unbewusst intuitive Abstimmungsprozesse zwischen den Teammitgliedern geschehen. Das sind nonverbale Signale der Teammitglieder untereinander, eigene Körperwahrnehmungen oder diffuse Stimmungen, die jeder spürt. Im besten Fall weiß jedes Teammitglied nach einer getroffenen Entscheidung genau, was zu tun ist.


Bedingungen, die den Zugang zur Intuition erleichtern …

  • Die hohe Kunst braucht Übung. In der Praxis ist eine scharfe Trennung rationaler und intuitiver Prozesse nicht möglich. In der Integration dieser von uns nur künstlich getrennten menschlichen Funktionsweisen besteht das größte Potential für erfolgreiches Entscheiden und Handeln. Achtsamkeit und Bewusstheit müssen entwickelt werden, um zu merken, wann ich meinen Autopiloten auf Pilot umstellen muss.
  • Es gibt Menschen, die über viel Intuition verfügen, aber trotzdem Fehler machen. Diese resultieren aus mangelnder Unterscheidungsfähigkeit. Die Unterscheidung zwischen Erinnerung, Verstand, Wünschen oder Phantasien macht die Intuition erst so richtig treffsicher. Ein bewusstes Bündnis mit dem Verstand verhilft zu mehr Sicherheit.
  • Für die erfolgreiche Anwendung und Wahrnehmung intuitiver Kompetenzen braucht es Vertrauen und Zuversicht.
  • Es braucht eine Teamkultur, die Intuition erlaubt, positiv konnotiert und integriert. Auf dieser Grundlage können hilfreiche Formen für die “Inszenierung” intuitiver Problemlösungen etabliert werden.
  • Es gibt einen Weg, intuitiv gefärbte Entscheidungen direkt zu kommunizieren. Sprachbilder oder Analogien bringen die intuitiven Vorgänge in eine anschlussfähige Sprache.
  • Arbeiten in einem angst- und stressbeladenen Organisationsumfeld verhindert jeden intuitiven Zugang. Entspannung ist die Bühne für das Auftreten der Intuition. Das kann man auch im Arbeitsalltag durch den bewussten Einbau von Ritualen, die einen vom operativen Geschäft wegführen. Während der freien Zeit sind Laufen, Malen, Musik, Meditation, Natur die klassischen Wege zu intuitivem Wissen.
  • Noch ein Tipp für Fortgeschrittene: Ein Ergebnis wissenschaftlicher Forschung über Intuition sagt, dass man über die Frage “Was weiß ich über …?” in konzentriert gestellter Form Zugang zu intuitivem Wissen erhält. Das sind Informationen, die wie Puzzlestücke mit Hilfe des Verstandes zu einer Synthese zusammen gefügt werden können. Auf dieser Grundlage hat man mit Übung die Möglichkeit, effektive Entscheidungen zu treffen.


Fazit:

Intuition ist keine Spezialbegabung. Intuition ist heute, paradoxerweise, durch rationale Forschung erklärbar und trainierbar. Sie ist eine Gedächtnisleistung und damit eine geistige Fähigkeit. Mit einem guten Gespür für das “Pärchen” Intuition und Ratio kann man mit Übung eine gewisse “Leichtigkeit des Seins” erzeugen.


Quellen:
Erfolgsfaktor Intuition: Hänsel, Zeuch Schweitzer / ZOE 1_02
Dr. Regina Obermayr-Breitfuß: INTUITION. Theorie und praktische Anwendung