Auf den Spuren des Pentaeder


Werkstattbericht

Ein Bild regt neue mentale Verdrahtungen an

Was erhellt der Blick auf das Zusammenspiel von Entscheiden und Führen, wie nützt er und warum ist er notwendig geworden?

Wir bieten – angeregt durch das folgende Bild – Ideen zu dem ungewohnten Blick auf das Zusammenspiel von Entscheiden und Führen an. Danach liefern wir die Hintergrundinformationen, warum dieser Blick aktuell notwendig geworden ist und mehr Nachhaltigkeit verspricht. Führungsnot macht erfinderisch.

Führen und Entscheiden – verbunden wie die Krone des Baumes mit seinen Wurzeln

In unserer neuesten Version der DECISIO-Prozesslandkarte haben wir dem obigen Bild einen prominenten Platz zugewiesen: Die Krone des Führens ist das sichtbare Spiegelbild der unsichtbaren Wurzeln des Entscheidens. Was in achtsamen Prozessen des Entscheidens wurzelt, führt zu der Krone, dem wirksamen Führen. Jeder von uns düngt eine Pflanze über die Wurzeln und nicht über die Blätter.

Die sinnvolle Reihenfolge: Führen entsteht aus dem Entscheiden

So wird der Blick auf die verteilten Rollen im Entscheidungsprozess angeregt. Wer den Entscheidungsprozess verantwortet und gestaltet, führt. Wer das nicht tut, herrscht vielleicht, führt aber nicht. Entscheiden wirkt immer auch als Führen – selbst wenn es nicht mit Legitimation und Kästchen im Organigramm ausgestattet ist. Führen entsteht aus dem Entscheiden. Das praktische Mitwirken in Entscheidungsprozessen und Entscheidungen erfährt so Anerkennung als die Basisoperation von Teams und Netzwerken in Organisationen an. Von den Wurzeln her wird plötzlich eine elegante Neufokussierung der Rolle von Führung möglich.

Eine uns intellektuell quälende Diskrepanz

Führen genießt in Organisationen zu Recht starke Aufmerksamkeit. Entscheiden hingegen erfreut sich aktuell meist deutlich weniger Beachtung. Wir beobachten mit Unbehagen wie Führung sich dadurch zwangsläufig einen Bumerangeffekt einhandelt. Das Überbetonen der sichtbaren Bedeutung von Führung – ohne die Beziehung zum Entscheiden sehr transparent zu machen – macht die Führungspraxis undurchsichtig und zwangsläufig weniger glaubwürdig.

Zu starke Spannung zwischen Anspruch und Wirklichkeit schadet

Die Wirklichkeit in Organisationen, wie wir sie zur Genüge kennen ist nicht selten durch eine stressige Spannung zwischen Führen und Entscheiden gekennzeichnet. Ein sehr hoher Anspruch an perfekt Orientierung gebende Führung ist fast der Regelfall. Der Anspruch wird andrerseits im sichtbaren und konkreten Verhalten der Führungskräfte in Entscheidungsprozessen oft nicht eingelöst wird! Die viel zu starke Spannung zwischen Anspruch und Wirklichkeit raubt viel Energie und bewirkt wenig Lust auf die Prozesse des Entscheidens, wie sie wirklich laufen, genauer zu achten.

Handwerk und Zukunft

Dem steht entgegen, dass das operative Handwerk des Entscheidens – als Wurzelwerk des Baumes verstanden – in vielen Organisationen erstaunlich offensichtlich im Argen liegt. Unsere Erfahrung bestätigt immer wieder: Mehr Handwerkskunst im Entscheiden schafft eine sehr effektive Grundlage für eine Zukunft des Führens – in der wieder mehr Führungskräfte als heute echte Sicherheit und Berufung finden und weitergeben.

Die epochal neuen Rahmenbedingungen für das Entscheiden und Führen werden nicht mehr verschwinden

Ihr Ursprung ist bekannt: Die demografische Verschiebung zu den BRISC-Staaten und der Wandel zur globalen Computergesellschaft. Drei Konsequenzen dieser neuen Wirklichkeit wirken in Organisationen spektakulär und sehr weitreichend:

  • Das Ungeplante wird zum Normalfall. Das Hierarchiemodell bleibt wichtig ist aber in diesem neuen Geschäftskontext überfordert.
  • Entscheiden und Führen spielen sich in Teams und Netzwerken ab, die innerhalb der Organisationen und zwischen ihnen, und immer mehr in globalem Maßstab agieren.
  • Viel mehr Führungskräfte aller hierarchischen Ebenen als je zuvor sind aufgerufen sowohl öfter, schneller und achtsamer als auch viel komplexer koordiniert und vernetzt zu entscheiden.

Deshalb ist der tiefere Blick auf die Wurzeln des Entscheidens notwendig geworden:

  1. Vor diesem Hintergrund wird nur allzu verständlich, dass das gewohnte Entscheiden und Führen immer stärker und kritischer infrage gestellt wird.
  2. Wird auch verständlich, dass der Ruf nach „Führungsstärke” weitgehend wirkungslos verhallen muss. Diese reflexartig personale monokausale Perspektive nimmt die neuen Rahmenbedingungen einfach noch nicht zur Kenntnis.
  3. Weil – das ist der uns vorrangig wichtige Ansatzpunkt – die vorherrschenden mentalen Modelle zu Entscheiden und Führen diesen epochalen Veränderungen hinterher hinken. Der tiefere Blick hilft sie explizit zu machen und bewusst zu verändern. Und er liefert praktikable Hinweise, wo die Hebel für die nachhaltige Steigerung der Wirksamkeit von Führung anzusetzen sind.